> Vincents Zivi in Malawi : 2010-11-20
Samstag, 20. November 2010
Der liebe lange Alltag und die Arbeit
Hallo Ihr Lieben!
Ich denke es ist mal wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag... Ich muss sagen ich habe das Gefühl das wesentliche an meinem einjährigen Aufenthalt hier in Malawi bislang im Blog eher außer Acht gelassen zu habe, und zwar das Alltägliche und meine fortlaufende Arbeit, sodass ich dieses mal ein wenig von meiner Arbeit und meinem Alltag beichten werde...

Derzeit ist es hier in Chipunga ziemlich heiß. Wir befinden uns in der heißesten Jahreszeit und warten von Tag zu Tag auf den Regen, der bald mal einsetzen müsste und die Landschaft hier aufblühen lässt. Obwohl Chipunga ja nun mal recht hoch in den Bergen liegt und es eher angenehm kühl ist, ist es im Moment hier ebenfalls unglaublich heiß, jedoch ist das noch kein Vergleich zu den tiefer liegenden Gebieten oder der Gegend am See, sodass es dann doch wieder recht gut aushaltbar ist... Ich muss sagen, dass ich mich an sich sehr auf die Regenzeit freue-ich bin wirklich sehr gespannt wie sich das Leben und eben besonders die Landschaft dann hier gestalten wird, allerdings habe ich auch ein wenig Muffe, da, sofern es beispielsweise mal einen ganzen Tag regnet, die Gefahr besteht hier in Chipunga für eine gewisse Zeit festzusitzen, da die Straße in Richtung Stadt eben eine Dirtroad ist und somit bei extremen Regenfällen nicht mehr befahrbar ist...Oh man, ich bin mal gespannt was das wohl geben wird.

...Ausgrabung des Fundaments

Was gibt es neues von meinen Projekten zu berichten?! Also, zunächst bin ich nun groß in den Schulblockbau eingestiegen, der bislang bis auf ein paar kleine Komplikationen recht gut läuft. Wir versuchen bereits in drei Wochen mit dem Bau durch zu sein, was momentan gar nicht so abwegig aussieht. Meine Aufgabe sieht im Grund wie folgt aus-ich bin täglich mehrere Stunden auf dem Bau anwesend und vergewissere mich, ob auch alles nach Plan läuft. Dabei packe ich dann selbstverständlich auch mal mit an, wo ich helfen kann. Im Grunde geht es vorrangig um meine Anwesenheit. Der Schulblock wird halt mit deutschen Geldern finanziert und Antonia und ich stehen insofern auch in direkter Verbindung mit der Botschaft. Ich kümmere mich dann noch darum, dass auch keine Materialien verschwinden und es gibt im Allgemeinen immer sehr viel Organisatorisches zu klären wenn es zum Beispiel um die Bezahlung der Bricklayer geht und das Geld ja schließlich auch von der Stadt ins Dorf kommen muss oder so.
Fundamentmauer
Neuster Stand...
Hier in Malawi ist es außerdem üblich, dass es etliche Komitees für alles möglich gibt, sodass ich natürlich auch dort immer schön anwesend sein muss, wenn entweder das School-Committee oder das Project-Committee oder eben das Village-Development-Committee tagt... Müssen ja auch schließlich alle Bescheid wissen, was Sache ist. Trotzdem kann das manchmal sehr müßig sein, da ich dann eben zwei Stunden mit dem entsprechenden Komitee zusammensitze, nicht wirklich folgen kann wenn gerade mal wieder in Rage auf Chitumbuka diskutiert wird. Anschließend, muss ich zugeben, ist man immer weich wie ein Brötchen.
Auf den Fotos kann man nun jedenfalls schon mal den Verlaufdes Baus ein wenig nachvollziehen. Zunächst sieht man eben das Fundament und im Moment ziehen die Arbeit die Mauern immer Stück für Stück höher, sodass wir uns nun bereits so circa auf Fensterlevel befinden.

Beim Arbeiten...

Was das Seminar zum Thema „Direktsaat“ angeht-da hatte ich ja auch bereits das letzte mal von berichtet-habe ich nun ein Probefeld angelegt, um mal auszutesten, was bei dieser alternativen Anbauweise so rum kommt. Der Mais hat sich an sich ganz gut entwickelt nachdem ich dann nochmal in den vergangenen Tagen ordentlich gedüngt habe,jedoch wurden meine Bohnen von hinterhältigen Affen bereits aus der Erde gerissen...
Mein schniekes Testfeld
Was mein Hühnerprojekt anbelangt so pausiert dieses zur Zeit, da wie wieder auf neue Hühner warten müssen bis Bernhard, der Farmbesitzer, wieder neue mitbringt. Ferner muss ich mir da nochmal was einfallen lassen was die Rekrutierung neuer Mitglieder angeht, da mit nur zwei Mitgliedern der letzten Phase nicht allzu vielen Jugendlichen geholfen ist, aber das wird sich dann wohl noch in den kommenden Tagen irgendwie ergeben denke ich doch...

Naja, an dieser Stelle, nach nun fast vier Monaten hier Malawi, ist es vielleicht mal an der Zeit Zwischennbilanz zu ziehen. Mir geht es hier soweit echt ganz gut und ich merke, dass ich viel lerne. Ich steigere gerade meinen Marktwert erheblich, da ich hier viel koche, was ich ja vorher so gar nicht drauf hatte, mich als Heimwerker erprobe, nebenbei Hobbylandwirt geworden bin und nun im Begriff bin Gitarre spielen zu lernen. Außerdem ganz zu schweigen von meinen Künsten als Hausmann generell... Es gibt jedoch auch so einiges was ich hier ganz schön vermisse. Ganz oben auf der Liste stehen da eben im kulinartischen Kontext Milchprodukte jeglicher Art. Ich vermisse hier so sehr einen ordentlichen Käse (leider ist Käse in Malawi unglaublich teuer und schmeckt in der Regel nur mit viel Phantasie wie Käse) und zum Beispiel Joghurt. Mit Milchprodukten ist das hier so eine Sache. Alles, was eben nun mal gekühlt werden muss ist hier entsprechend teuer. Man zahlt dann gut und gerne mal für ein paar Gramm so an 4.000 Kwacha-was mal eben 20 Euro entspricht. Was mir jedoch auch sehr fehlt ist Schokolade. Schokolade kann mir hier zwar kaufen-ist zwar auch nicht günstig, aber immerhin gut erhältlich, jedoch bin ich am Anfang dieses Jahres eine Wette eingegangen, dass ich die gesamten 12 Monate über keine Schokolade essen werde. Bisher schlage ich mich ganz wacker, aber warum ich die Wette eingegangen bin weiß ich jetzt auch nicht mehr. Naja, was sonst noch so fehlt ist eben das übliche-sprich: ein ordentliches Vollkornbrot, ein Weizen und zum Beispiel schlichtweg die gute Deutsche Küche.
Was ich aber auch feststellen muss ist, dass ich hier in der Ferne richtig Gefallen an Lüdenscheid gefunden habe. Ich muss mich outen-ich bin ein richtiger Lüdenscheidfan geworden und, da verhältnismäßig echt wenige Freiwillige aus NRW kommen, halte ich natürlich meinem lieben Heimatbundesland die Stange! :-)

Etwas wehmütig bin ich jedoch wenn ich nun an Weihnachten denke. Das wird wohl zweifelohne nicht dasselbe dieses Jahr und es wird schwierig sein in die entsprechende Stimmung zu kommen, auch wenn wir uns ein recht gutes Alternativprogramm ausgedacht haben. Und zwar werden wir in einer kleinen Gruppe von Freiwilligen zusammen in Nkhata Bay am See feiern und anschließend um das neue Jahr zu begehen nach Likoma Island fahren. Das ist eine kleine traumhaftschöne Insel in den Hoheitsgewässern Mosabiks. Es muss dort jedenfalls echt schön sein. Nichtsdestotrotz vermisse ich doch gerade wenn ich an solche Ereignisse denke meine Familie sehr und all die Menschen, die mir wichtig sind... Naja, bis dahin dauert es ja auch noch eine Weile und jetzt gilt es erst einmal den Schulblock fertig zu stellen...

Ich halte euch jedenfalls auf dem Laufenden und denke an euch. Ganz liebe Grüße von mir von der Südhalbkugel!

Vince