> Vincents Zivi in Malawi : 2011-03-11
Freitag, 11. März 2011
Es geht voran... mit Geduld und malawischer Gelassenheit!
Schönen Gutentag die Herrschaften...

Hier nun wieder ein Lebenszeichen und ein Erfahrungsbericht aus Malawi... Seitdem ich das letzte mal berichtet habe ist wieder eine ganze Weile verstrichen und es hat sich einiges in der ländlichen Idylle im malawischen Hochland getan...

Was mir zunächst ganz besonders am Herzen liegt ist ein dickes Dankeschön an alle, die sich bei der Verwirklichung meines neuen Projektes, der Preschoolrenovierung, in Form einer kleinen Spende beteiligt haben und an die, die sich so für mich eingesetzt haben. Soll heißen, meine lieben Eltern, liebe Highlandergemeinde und alle anderen, die sich daran beteiligt haben, habt vielen herzlichen Dank!
Insofern will ich an dieser Stelle berichten was sich in diesem Kontext getan hat. Die GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit-als Nachfolgerorganisation des DED) hat mir bereits einen gewissen Teil des nötigen Geldes für die Renovierung bewilligt und auch überwiesen, sodass ich mit jenem Geld die Materialien anschaffen konnte. Jedoch müssen ja auch die Materialien irgendwie von Mzuzu nach Chipunga gebracht werden. Das hat sich wider meinen Befürchtungen trotz Regenzeit gottseidank nicht als Problem erwiesen, obwohl das immerhin 20 Sack Zement, 4 Eimer Farbe, Holzleim, Nägel und ein Eisentürrahmen waren...
Ferner galt es dann alle nötigen Vorkehrungen für die Renovierung selbst zu treffen. Das heißt die Bereitstellung der Ziegelsteine und der Transfer des Sandes für den Zement, sowie die nötigen Absprachen mit dem beauftragten Contractor. Jedoch konnte alles soweit in die Wege geleitet werden, sodass nach Plan am kommenden Montag, den 14. März, begonnen werden kann. Angesetzt ist ein Monat Renovierung, was an sich vermutlich nicht ganz aufgehen wird, aber wir werden mal sehen... Ich bin jedenfalls ganz zuversichtlich und werde euch auf den Laufenden halten...

Kiddies in der Preschool

Zeitgleich habe ich nun die Ehre den Schulblockbau tatsächlich für beendet zu erklären. Ich kann es selber kaum glauben, aber es ist wirklich wahr! Nach Wochen des Verzugs sind die Arbeiten auf dem Bau wirklich abgeschlossen...!
Und so sieht das ganze nun aus:

...endlich vollendet
Schick oder?!

Irgendwann habe ich dann doch eine gewisse Haltung entwickelt, die mich mit dem Verzug hat umgehen lassen, obgleich ich zeitweilig wirklich am Rande der Verzweiflung stand. Schlussendlich hat doch alles geklappt. Mir wurde schließlich in meiner Ungeduld ein ganz netter, und wie ich persönlich empfinde, äußerst zutreffender Satz gesagt: „Die Europäer haben die Uhr-die Afrikaner Zeit.“. Ohne jegliche Wertung muss ich wohl sagen, dass, zumindest hier auf dem Lande, schlichtweg unterschiedliche Philosophien bezüglich der Arbeit aufeinander getroffen sind. Zeit schien für die beauftragten Arbeiter tatsächlich nicht die Relevanz zu haben wie das bei mir der Fall war und ist...
Nun wartet das Projekt auf den Abschluss durch den Besuch der Deutschen Botschaft, die sich noch für diesen Monat angekündigt hat, aber das dann das nächste mal...

Ansonsten bin ich derzeit auch gut auf der Farm selbst beschäftigt. So stelle ich ein Statistiken bezüglich den Einkaufspreis von Rindern und dem prozentualen Gewinn auf, zeichne Feldpläne, kümmere mich um den ganzen Bürokrempel und leite gelegentlich kleine Miniprojekte im Rahmen der Farmarbeit.

Ich muss hier nun jedoch leider auch zugeben, dass mein Anfang des Jahres angelegtes Testfeld zu Grunde gegangen ist. Nach den äußerst hinterhältigen Affenübergriffen, denen man nicht Herr werden kann wenn man nicht 24 Stunden daneben sitzt, war der Niedergang des Vorführfeldes wohl schlichtweg das unabdingbare Schicksal. Insofern kann ich leider der Gemeinschaft keinen vorzeigbaren Ertrag präsentieren, was ein bisschen schade ist. Trotzdem denke ich, dass man das Projekt als erfolgreich bezeichnen kann, da das Seminar an sich den Leuten gezeigt hat wie man arbeitsökonomischer Mais anbauen kann und dies auch mit großem Interesse verfolgt wurde. Was nun von den Leuten übernommen werden wird, liegt daher bei ihnen selbst...

Hier im Dorf scheint übrigens eine spezielle Krankheit rumzugehen... Und zwar hat einer der Farmarbeiter seit Wochen eine stetig größer werdende Beule am Hals. Er lehnt es aber aus unerklärlichen Gründen ab zum Arzt zu gehen-warum auch immer... Jedenfalls ist er selbst davon überzeugt unter Witchcraft zu leiden (, was hier de facto Bestandteil des Lebens ist). Insofern wird er nun einen sogenannten Witchdoctor aufsuchen, der ihn von seinem Leid befreien soll indem er dem Arbeiter auferlegten Zauberspruch aufhebt.
Ich will hier nun an dieser Stelle nicht das Bild vermitteln, dass alle Malawier nicht zum Arzt gehen und sich lieber von einem solchen Witchdoctor behandeln lassen. Das ist definitiv nicht der Fall! Dieser Arbeiter ist sicherlich in der Form die Ausnahme, da sonst die Leute hier schon ins Krankenhaus gehen, um einen Arzt aufzusuchen, jedoch steht die Existenz des Phänomens Witchcraft nicht zur Debatte. Der Glaube an Zauberkraft im Alltag, bei beispielsweise misslungener Ernte oder ähnlichem, ist tief im Glauben der Menschen hier verwurzelt und ist definitiv Bestandteil der Welterklärung. Jedenfalls sollte man sich hier vor Ort davor hüten sich darüber lustig zu machen oder mit Witzen diesbezüglich aufzufallen, da das einfach nicht angebracht ist und schlichtweg den Leuten missfällt. Obwohl die Menschen hier vor Ort doch sehr viel Spaß verstehen, ist das in jedem Falle ein Tabuthema!

So zum Schluss gibt es hier noch zwei Fotos von meinem letzten nennenswerten privaten Unterfangen. Und zwar habe ich einen Tauchkurs im Malawisee gemacht, was sich absolut gelohnt hat. Mit ein paar anderen Freiwilligen hat es uns dann vier Tage an den See verschlagen, um entsprechend mal die Unterwasserwelt Malawis ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Unser kollektives nächstes Ziel heißt nun Anfang Juli vor Sansinbar im Indischen Ozean den Schnorchel ins Wasser zu tauchen. Aber davon berichte ich dann hoffentlich wenn es soweit ist...

Wir Taucher...

In 16 Meter Tiefe des Sees


Wie dem auch sei-ich bin jedenenfalls gerade im Begriff mein Preschoolrenovierungsprojekt ordentlich in den Gang zu bringen, sodass ich fortwährend entsprechend beschäftigt bin... Ich hoffe euch geht es allen gut und ihr treibt mir nicht zu viel Unfug... In diesem Sinne-allerbesten Gruß aus Malawi.....

Immanuel und Ich

V.