> Vincents Zivi in Malawi : 2011-04-16
Samstag, 16. April 2011
Der gute Verlauf und der neue Feind
Schönen Guten Tag!

Es gibt wieder mal so einiges zu berichten, sodass ich Euch nun die Ereignisse und Entwicklungen der letzten Tage natürlich nicht länger vorenthalten möchte zumal ich nun durch die liebe und umfangreiche Unterstützung auch prompt darlegen möchte, was mit der finanziellen Unterstützung geschehen ist...

Insofern will ich gleich mal anfangen von der Preschool, „Operation Herzstück“, zu berichten!

Ich kann nun hier die frohe Botschaft verkünden, dass die Renovierung und die Baumaßnahmen außerordentlich gut verlaufen sind, sodass ich es fast schon bedauere demnach an dieser Stelle auf dem Blog gar nicht so oft über den Verlauf berichten zu können, da nun bereits die Arbeit fast schon gänzlich beendet ist! Das ist natürlich an sich alles andere als bedauernswert. Zumal ich mich somit dann auch noch in unfangreichem Maße der Etablierung der Preschool widmen kann, die sicherlich auch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird.
Trotzdem will ich Euch den Verlauf der Arbeit nicht verschweigen, sondern ein wenig über die organisatorischen Maßnahmen berichte...

Zunächst galt es erst einmal die absolut essentiellen „Basis-Materialien“ zum Bauen zu besorgen. Das heißt zunächst schlichtweg Riversand zum Anmischen des Zements. Klingt jetzt zunächst nicht nach einer großen Aktion-war es aber! Um eben Sand zu beschaffen bedurfte es erst einmal Freiwillige, die sich mit mir zusammen in den Konga, einem nahe gelegenem Fluss, stellten, um Sand herauszuschauffeln, auf den Pickup zu laden und schlussendlich zur Baustelle zu fahren. Leider hielt sich das freiwillige Engagement dann nach anfänglicher Begeisterung doch in eher überschaubaren Maßen. Ursprünglich war die Rede von 15 bis 20 Leuten. Schlussendlich waren wir zu fünft...

Große Riversand-Aktion

Die Arbeit dauerte dann zwar etwas länger, konnte aber schließlich doch verrichtet werden, sodass für die Grundlage der Renovierung gesorgt war.
Ferner galt es aber noch „Dambosand“ an den Ort des Geschehens zu bringen. Jener Dambosand wird ebenfalls zum Anmischen des Zements verwendet, ist jedoch feiner und daher geeigneter zum Verputzen der Wände. Um diesen zu besorgen galt es ca. eine Stunde mit dem Pickup in Richtung Pampa zu düsen. Angekommen an einem kleinen Wasserloch luden wir die Ladefläche voll mit eben jenem sagenumwobenem und besonderen Dambosand. Zu diesem Zeitpunkt war uns jedoch noch nicht bewusst, was uns noch erwarten würde…

Dambosandbeschaffungsmaßnahme

Bis dahin schien das alles nicht der größte Aufwand zu sein. Als wir jedoch auf der Fahrt zurück eine Panne mit dem vollbeladenem Gefährt hatten, stellte sich das ganze Unterfangen als doch etwas problematischer dar. Die Batterie des Pickups hat sich leider nach kurzem Ausschalten des Motors komplett entladen-und so standen wir dann da. Zwei Weiße mitten im Nirgendwo, die den Pickup keine zwei Meter schiebend von der Stelle bewegen konnten... Etwas verzweifelt galt es dann helfende Hände zu finden, die wir nach einer gewissen Zeit schlussendlich doch noch mobilisieren konnten. Tatsächlich ließen sich doch ein paar Leute finden, die uns anschieben helfen konnten, sodass wir den Motor doch wieder ans Laufen bekamen...

Nun war aber wirklich für alles gesorgt, was für die Renovierung von Nöten war, sodass der beauftragte Maurer ohne Probleme arbeiten konnte. Innerhalb von drei Wochen hatte dieser auch nach Absprache tatsächlich seine Arbeit erfüllt, sodass nun also die Hauptaufgabe bereits fertig gestellt werden konnte. Das heißt konkret, dass die Türöffnungen verschlossen wurden, Breezeblocks (Fensterblöcke) eingesetzt wurden, der Boden ausgebessert, die Wände verputzt und gestrichen und ein Schrank gemaurert wurden.
An dieser Stelle angekommen gilt es nun noch den Raum durch eine robuste Tür wirklich abschließbar zu machen. Diese Aufgabe übernimmt ein Schreiner, der sich dann ferner auch noch um die Anfertigung von kleinen kindgerechten Bänken kümmern wird. Das sind jedoch Arbeiten, die nicht mehr allzu viel Zeit in den Anspruch nehmen sollten.

...mit den beiden Maurern

die neu verputzte Wand


Schlussendlich gilt es dann noch dem ganzen den entsprechenden Feinschliff zu verpassen, indem ich noch Bilder an die Wände malen werde... Aber das gibt es dann das nächste mal zu bestaunen (hoffe ich doch...).

Im Zuge dieses Projektes habe ich übrigens erneut einen weiteren Namen erhalten. (Irgendwie scheinen die Leute in Chipunga was das anbelangt äußerst kreativ zu sein) Und zwar trage ich nun den Titel „Vince the Builder“. Damit nicht genug-da ich für den Fall des Wartens immer was zu lesen bei mir trage (aufgrund der Tatsache, dass Warten definitiv Bestandteil des Alltags ist, da Pünktlichkeit nicht unbedingt zu den Stärken der Malawier zählt) und dieses studienvorbereitend meistens was aus dem Bereich der (Rechts-)Philosophie ist, ist mein Chef prompt auf die Bezeichnung „The Philosopher in Gumboots“ gekommen, was ich aber einfach mal als schmeichelt empfinde...

Ansonsten gestaltet sich das Alltagsleben derzeit als etwas problematisch, da nun der Monat April noch einmal das letzte Aufbäumen der Regenzeit mit sich bringt! Mittlerweile ist man da mit ganz neuen Problemen konfrontiert. Und zwar hat sich in der letzten Zeit ein gewisser Feind herauskristallisiert, der sich besonders hartnäckig und unermüdlich zeigt. Die Rede ist vom Schimmel! Die Flexibilität sich an den verschiedensten Orten niederzulassen scheint unbegrenzt und lässt einen immer wieder ins Staunen kommen. Aufgrund der sehr hohen Luftfeuchtigkeit ist er wirklich nahezu überall anzutreffen. So hat letztlich nicht nur meine Kleidung im Schrank geschimmelt, sondern auch meine Bettwäsche nachdem ich ein paar Tage nicht zu Hause war. Ferner hat unser Spiegel, eine Haarbürste, unser Teppich, die Balken im Esszimmer, mein selbstgebaute Hantel und ein Textmarker geschimmelt. Das ist zugegeben nicht unbedingt sehr angenehm, aber ich hoffe einfach mal, dass sich das auch wieder legen wenn die Regenzeit auch endlich vorbei ist...

Ich vor der Schule samt Schild der deutschen Botschaft

Frisch angebrachtes Schild der Deutschen Botschaft

Wie dem auch sei-ich hoffe ich habe Euch ausreichend mit Informationen versorgt zu haben und Euch geht es allen soweit gut. Ich werde mich dann in der nächsten Zeit der Etablierung der Preschool widmen nachdem ich dieser den letzten Feinschliff verpasst habe und anschließend habe ich noch ein weiteres Projekt im Sinne, aber davon berichte ich dann ebenfalls das nächste mal...

Euch allen wünsche ich natürlich noch ein paar nette Osterfeiertage (, die ich für meinen Teil mit der Erklimmung des dritthöchsten Berges des Kontinents, des Mount Mulanjes, verbringen werde).

Ganz liebe Grüße aus den Bergen Malawis, Vince (the Builder/ der Philosoph in Gummistiefeln)