Vom Majinyenyeessen, Arbeitsstreiks, dem Auto des Aussenministers und der Regenzeit oder: Weihnachtszeit in Malawi
Guten Tag die Damen und Herren-hier wieder ein aufregender Erfahrungsbericht aus dem äußerst ereignisreichen Leben des Vincent Schnell...
Nun, ich glaube so aufregend ist es nun doch nicht, aber ich will trotzdem mal ein bisschen berichten...
Und zwar hat sich in der letzten Zeit hier einiges getan. Nach langem warten und einer unheimlichen Hitze hat schließlich auch die Regenzeit eingesetzt und das mit einem Gewitter, welches mich nachts wirklich hat aufschrecken lassen als ginge die Welt unter. Nach unglaublichen Getose bin ich mitten in der Nacht aufgewacht und habe mit Armen und Beinen in der Luft rumgerudert als sei gerade alles zusammen gestürzt. Anschließend hat es ohne Unterlass die nachfolgende Woche geregnet und es fühlte sich ein bisschen wie der deutsche Herbst an nur, dass der Regen hier doch etwas stärker scheint. An sich sorgt das Wetter bei mir ordentlich für Verwirrung. Zunächst hatte ich das Gefühl es sei vielleicht noch so Mitte Herbst aufgrund der irren Temperaturen, dann erscheint es mir plötzlich wie im November und schließlich habe ich ein Wochenende am See verbracht und dort schaut es dann wieder so aus...

Und das im Dezember..! ( An jenem Wochenende bin ich dann auch im Auto des Außenministers mitgefahren. Das war ganz witzig, da wir ein an uns vorbeifahrendes Auto herangewinkt haben in der Hoffnung mitgenommen zu werden. Das hat dann auch glückerweise geklappt. Im inneren des Autos saßen dann schließlich ein paar sehr gut gekleidete Herren und wir haben erfahren, dass wir gerade im Auto des Außenminister Platz genommen haben, dieser war jedoch nicht zu Gegen, sondern eben jener sollte gerade abgeholt werden... Nur so ein kleiner Schwank am Rande-Ich habe ihm dann auch nachdem wir abgesetzt wurden ganz herzliche Grüße von mir ausrichten lassen...)
Bevor es übrigens mit der Regenzeit hier losging hatten wir vor einiger Zeit jedoch Probleme mit der Trockenheit, sodass sich auf den Feldern Feuer entfacht haben, die es zu bekämpfen galt. Im Angesicht der Flammen mussten wir dann auf unseren ganz speziellen Feuerwehrwagen zurückgreifen, um schließlich auch Herr über die Lage zu werden...
Was meine Projekte angeht, so ist zu berichten, dass diese ganz gut laufen. Meine Chickengroup hat nun in erweiterter Konstellation auch wieder Beschäftigung gefunden und der Schulblockbau läuft eigentlich auch ganz ordentlich, jedoch haben sich da auch immer wieder kleine Komplikationen aufgetan. So hatte ich zum Beispiel mit einer Arbeitsniederlegung zu kämpfen, da die Arbeiter bezahlt werden wollten und das Geld noch nicht entsprechend übergeben werden konnte, da leider zur entsprechenden Bezeugung der Headchief des Dorfes auf sich warten ließ. Im Endeffekt ging es dann aber doch wieder weiter.
Letztens als ich nachmittags bei der Baustelle war hatten mich dann die Frauen der Arbeiter zum „Majinyenye“ essen eingeladen. Ich hatte mir da im Grunde nichts bei gedacht und war neugierig was das denn sei, jedoch hätte mich schon das Lachen und Kichern der Damen stutzig machen sollen. Jedenfalls wurden mir dann eben besagte „Majinyenye“ in die Hand gedrückt. Und zwar handelt es sich dabei um ziemlich große und ziemlich fette Ameisen, die mir dann über die Hand krabbelten. Gut, also ich muss zugeben lebend habe ich sie nicht gegessen-das war mir dann doch eine Spur zu heftig, aber nachdem sie geröstet wurden habe ich mir natürlich nicht die Blöße gegeben und ich muss sagen-man kann die Dinger essen. Sehr eiweißhaltig, aber nicht schlecht!
So, dann will ich nun auch mal an dieser Stelle dem sehnlichsten Wunsch des Herrn floppa nachkommen und mal mein Zimmer zur Schau stellen-ich hatte es letztes mal leider vergessen. Ich denke da gibt es im Grunde nicht allzu viel zu sagen. Vermutlich haben sich das viele spartanischer vorgestellt, aber im Grunde ist es recht wohnlich!
So, ich weiß gar nicht, ob ich schon von meinen Weihnachtsplänen berichtet hatte. Insofern werde ich mich dann mal kurz halten. Und zwar werde ich mit ein paar anderen Freiwilligen Heilig Abend in Nkhata Bay am See in einer recht gemütlichen Lodge verbringen. Anschließend werden wir dann am 27. nach Likoma, einer kleinen Insel in den Hoheitsgewässern Mosambiks, übersetzen, um dort das neue Jahr zu begehen. (Ihr müsst umbedingt Likoma googlen-es ist ein Traum!!!). Ich denke das ist ein ganz gutes Alternativprogramm. Wirklich wie Weihnachten fühlt es sich bestimmt nicht an, aber es wird bestimmt auch mal witzig auf diese Weise die Geburt Jesu zu feiern...
Wie dem auch sei-das war es von mir für dieses Jahr 2010. Ich danke allen, die diesem Blog ein wenig verfolgen. Es tut doch immer wieder gut, wenn mal wieder das Heimweh ein wenig plagt, die positive Resonanz zu lesen. Ich werde dann im kommenden Jahr wieder von mir hören lassen und dann hoffentlich ein paar traumhafte Fotos von Likoma Island hochladen. In diesem Sinne-euch allen ein Frohes Weihnachtsfest und ein Frohes Neues Jahr...
V.
